MINERALOGIE VON SKARNLAGERSTÄTTEN UND LAGERSTÄTTE BAISOARA


von Eva Klein

1. Allgemeines

Skarne sind im engen Sinne als metasomatische Gesteine definiert, die aus Kalk- oder Dolomitgesteinen an magmatischen Intrusivkontakten oder durch Stoffaustausch mit festem, silikatischen oder kieseligen Nebengestein entstehen. Man unterteilt weiter in Kontaktskarne und in Reaktionsskarne. Reaktionsskarne entstehen bei der Reaktion mit Zwischenlagen aus silikatischen und karbonatischen Sedimenten während der Metamorphose. Kontaktskarne bilden sich am häufigsten am Kontakt felsischer bis intermediärer Magmatite und deren subvulkanischer Äquivalente. Es gibt dabei zwei vorherrschende Stoffwanderungsrichtungen. Zum einen wird Si, Fe, Al, fallweise auch F, Cl, B, S und Schwermetalle in das Umliegende Karbonatgestein transportiert. Zum anderen wird aus dem Karbonat CO2 und ein geringer Teil des Ca gelöst und wegtransportiert. Dem magmatischen Gestein wird oft im geringen Maß Ca, Mg und Fe zugeführt. Die Kontaktskarne werden in Exoskarne und Endoskarne unterschieden. Exoskarne bilden sich im Nebengestein und Endoskarne im Intrusivgestein selbst. Die meisten Skarne, vor allem die erzhaltigen, sind Exoskarne. Sie sind vom unmittelbaren Kontaktbereich bis hin zu Entfernungen von mehreren hundert Metern vom Intrusivgestein zu finden. Sie entstehen unter mehr oder weniger pneumatolitischen Bildungsbedingungen, d.h. bei ca. 650-400°C. Das gleiche ist für Reaktionsskarne, die unabhängig von magmatischen Einflüssen sind, anzunehmen. Die Druckverhältnisse sind unterschiedlich, da die Entstehungstiefen von einem bis mehrere Kilometer variieren. Einige klassische metasomatische Lagerstätten der USA zum Beispiel sind mit porphyry copper Intrusionen verbunden, welche aus geringer Tiefe stammen. Exoskarne werden anhand ihrer jeweils dominierenden Mineralogie klassifiziert: als Dolomit- oder Magnesiumskarne, wenn sie einen hohen Magnesiumanteil zum Beispiel in Form von Forsterit enthalten oder sie werden auf Grund ihres hohen Calciumanteils beispielsweise in Granaten (Grossular-Andradit) oder Pyroxenen (Diopsid-Hedenbergit) eingebaut, als Kalkskarne bezeichnet. Die Mehrheit der weltweit wirtschaftlichen Skarnlagerstätten sind Kalkskarne.
 
Die Skarnlagerstätten werden anhand ihrer dominierenden wirtschaftlichen Metall- oder Mineralgehalte benannt, wie zum Beispiel Kupfer, Eisen, Wolfram, Zink, Molybdän, Zinn oder Talk. Sie sind generell kleiner als andere Lagerstätten (z.B. porphyry copper). Die Formen der Skarngesteinskörper und ihre Ausmaße variieren. Es gibt Schichten und schichtartige Skarnkörper, Linsen, Stöcke, röhren- und schlauchförmige Körper, Gänge und gangähnliche Gebilde, Nester und verzweigte Skarnkörper. Gang- und schichtartige Skarnbildungen können sich bis zu 2 km weit ausbreiten, meistens sind Meter bis Dekameter die Regel. Im allgemeinen sind Skarngesteine grobkristallin, die Mineralgröße kann unterschiedlich sein je nach Mineralart. Minerale mit langgestrecktem Wachstum bilden parallel- oder divergentstrahlige Büschel oder sperrige Aggregate. Inhomogene Texturen sind häufig. Es kann zu mehr oder weniger ausgebildeten Lagen kommen; Drusen sind seltener; massige und sehr feinkörnige Gesteinspartien können auch vorkommen. Es werden in Abhängigkeit des jeweiligen Mineralbestandes verschieden Strukturen ausgebildet: granoblastisch, porphyroblastisch, nematoblastisch (bei langgestreckten Kristallen), poikiloblastisch oder auch Verdrängungspseudomorphosen.
 

2. Genese von Skarnlagerstätten


Die Entstehung des Exoskarns, nahe oder am felsischen Kontakt kann in 3 Phasen unterteilt werden. Erstens in die anfängliche isochemische Metamorphose, zweitens in mehrere Phasen der Metasomatose und drittens in die retrograde Alteration.
 

1. Phase
 

In dieser Phase wird das Muttergestein durch die Intrusion des Magmas metamorph überprägt. Reaktionsskarne bilden sich entlang des lithologischen Kontaktes. Beim Vorhanden sein eines unreinen Marmors werden zahlreiche Calcium- und Magnesiumsilikate in einem kalkig-silikatischen Hornfels entstehen, der Minerale, wie Talk und Wollastonit von wirtschaftlichem Interesse enthalten kann. Durch stationäre fluide Phasen kann das umgebende Gestein spröde und anfällig für Infiltrationen aus der 2.Phase werden (EVANS (1993)).
 

2. Phase
 

Durch das Eindringen hydrothermaler, magmatischer Wässer in das umgebende Gestein kommt es zur Umwandlung von reinem und unreinem Marmor, sowie anderer Gesteinstypen in Skarne. Das gleiche gilt für den kalksilikatischen Hornfels aus der Phase 1. Dieser prograde metamorphe und metasomatische Prozess läuft bei Temperaturen um die 800-400°C ab. Es entsteht eine Erzlösung, die aufgrund des abkühlenden Plutons sich ebenfalls abkühlt und die ersten Minerale mit hoher Schmelzpunkt ausfällt. Die neuentstandenen Mineralphasen sind hauptsächlich Anhydrate. Oxide und Sulfide kommen erst wegen ihres niedrigeren Schmelzpunkt spät in dieser Phase zur Ablagerung, generell aber erst in der dritten Phase (EVANS (1993)).
 

3. Phase
 

Die retrograde (zerstörend) Phase geht einher mit der Abkühlung des angrenzenden Plutons und der Alteration der zeitig entstandenen Skarnminerale, sowie Teile der Intrusion durch zirkulierende Wässer. Es bilden sich Minerale wie Chlorit, Aktinolith. Sinkende Temperaturen führen zur Fällung von Sulfiden. Die Alteration wird von Störungen entlang zeitiger Skarnstrukturen kontrolliert. Sulfidablagerungen erstrecken sich oft oberhalb der Skarngrenze in den Marmor oder Hornfels. Die hydrothermalen Lösungen werden beim Kontakt mit dem Marmor neutralisiert. Es kommt zur Fällungsreaktion und somit zur Entstehung von Hochtemperatur - Sulfiderzen.
 
In distalen Skarnen ist meistens Phase eins und zwei nicht entwickelt und Fluideinschlüsse deuten darauf hin, dass die Bildungstemperaturen bei ca. 350-210°C liegen (EVANS (1993)).
 

3. Beispiele für Skarnlagerstätten


Kupferskarnlagerstätten
 

Die meisten Kupferskarne sind mit Granodioriten bis Monzograniten in kontinentalen Randbögen verbunden. Meistens treten sie in Form von porphyry coppers auf, die im Mesozoikum und Tertiär im Westen Amerikas gebildet wurden z.B. der Copper Canyon in Nevada. Das gleiche gilt für den karbonischen Bogen der USSR. Eine kleine Anzahl von Kupferskarnen erscheint in ozeanischen Inselbögen in Quarzdioriten bis Monzograniten, wie zum Beispiel die Memé Mine in Haiti.
 

Eisenskarnlagerstätten
 

Diese Skarne waren lange wichtige Eisenlieferanten, wie zum Beispiel die Magnetitmine in Cornwall, Pennsylvania, die viel Eisen während der Industriellen Revolution in den USA lieferte. Cornwall ist ein Kalkeisenskarn, welcher sich bei Intrusiva von Gabbros über Diorite bis zu Syeniten hin bilden, während Magnesiumeisenskarne meistens an Graniten bis Granodioriten gebunden sind. Zwei weitere Beispiele für Eisenskarnlagerstätten mit hohen Magnetitgehalten sind Sarbai, USSR und Marmoraton, Ontario.
 

Wolframskarne

Wolframskarne, Adern und andere Lagerstättentypen liefern die größte jährliche Wolframproduktion. Einige Beispiele für Wolframlagerstätten sind King Island, Tasmanien; Sangdong, Korea; Canada Tungsten und MacMillan Pass (Yukon), Kanada; und Pine Creek, California, USA; Salau Tungsten Mine, Ariége, Frankreich. China ist der größte Produzent mit18000t, 1989. Danach folgt die USST mit 7000t, Korea mit 1560t, Österreich mit 1543t und Australien mit 1400t (EVANS(1993)).
 

Talk und Graphitskarne

Talkhaltige Skarne und ähnliche alterierte Karbonate und andere Metasedimente liefern ca. 70% (EVANS(1993)) der weltweiten Talkproduktion. Ein Beispiel dafür ist die Trimounts Mine in den französischen Pyrenäen. Die Graphitproduktion ist niedriger als die Talkproduktion. Ein Beispiel für einen Graphitskarn ist die norwegische Skaland Mine tief im arktischen Kreis südlich von Tromso, wo 200m lange und ca. 5-6m dicke Skarnlinsen ungefähr 20-30% Graphit enthalten.
 

4. Skarnlagerstätte Baisoara

Baisoara liegt ca. 35 km südlich von Cluj-Napoca. Die anstehenden Sedimente wurden von Granodioritgängen durchschlagen. Das gebildete Hauptmineral ist Magnetit neben Hämatit, Pyrit. Weitere auftretende für Skarnlagerstätten typische Minerale sind Granate (Almandin, Andradit), Aktinolith, Tremolit, Diopsit, Phlogopit und Epidot. Aufgrund dieser Parameter müsste Baisoara zu den Magnesiumeisenskarnen gehören. Der wirtschaftlich interessante Eisengehalt beträgt 26-28%, im Gestein selbst wurden Gehalte bis 30% nachgewiesen. Der Abbau ist rückläufig.


 
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