Das Goldene Viereck


von Beatrix Brömme

Einleitung


Das Siebenbürgische Erzgebirge, welches vom westkarpatischen Bogen umschlossen wird, beinhaltet eines den der größten Goldlagerstättenbezirke Europas, das aber auch weltweit von Bedeutung ist. Die Städte Brad, Scaramb (Nagyag), Zlatna (Zalatna) sowie Baia de Auries (Offenbanya) sind die Eckpunkte des "Goldenen Vierecks", wie der Geologe Fr. Prospeny 1867 das rund 1000km² große Bergland nördlich der Muresch taufte, in dem 60 Minen beherbergt sind, die jedoch teilweise bereits stillgelegt worden.


Geologie


Großtektonisch gehört das Siebenbürgenerzgebirge zu den Westkarpaten, die man in fünf verschiedene Einheiten von N nach S gliedern kann:

Die Karpaten entstanden im Zuge der alpidischen Orogenese, die in der Kreidezeit begann und bis ins Tertiär andauerte.
Im Miozän bildeten sich durch Einbruchtektonik Innenbecken wie das Pannonische oder das Siebenbürgische Becken aus. Unweigerlich folgte im Anschluss der für die Erzregion so wichtige tertiäre Vulkanismus, dessen Ursache noch diskutiert wird. Zum einen wird er mit der Beckenbildung an sich in Verbindung gebracht, da eine damit verbundene Krustenausdünnung auf 24km einen erhöhten geothermischen Wärmegradienten von 50 -100°C pro km mit sich zog. Demzufolge könnte ein Manteldiapir für den Vulkanismus verantwortlich sein. Eine ganz andere potentielle Quelle stellt ein aktiver Kontinentalrand dar, der in jurassischen Zeiten ausgebildet war. Entsprechende Sedimente sind in Deckengruppen aufgeschlossen. Der auftretende Vulkanismus streckt sich über ein Gebiet von 50000km² aus. Der anfängliche rhyolithische bzw. andesitische Chemismus im Miozän veränderte sich bis hin zu basaltischen Laven ab dem Pliozän und Altquartär.
 
Die Erzparagenesen aus den Hauptkomponenten Blei, Kupfer, Zink, Antimon, Gold und Silber sind an diese Vulkanite gebunden, wobei insbesondere Gold und Silber sich im "Goldenen Viereck" von Rumänien anreicherten. Die Ausscheidung der Erze aus hydrothermalen Wässer, die durch Konvektion aufgrund krustaler Temperatur-unterschiede angetrieben wurden, erfolgten im Wesentlichen als Erzgänge und Imprägnationskörper.
 
Eine bedeutende Rolle in der Lagerstättenbildung spielt die Alteration der Gesteine, da diese eine Aufkonzentration der Metallionen bewirkte und es erneut zu Erzbildungen kam. Man kann sagen, dass das Erzgebirge durch mehrere Hydrothermale Ereignisse geprägt wurde. Vererzungen treten auch disseminiert in porphyry copper Lagerstätten auf Erzparagenesen sind an die Wirtsgesteine gebunden, so treten Gold und Silber verwiegend in adularisierten Gesteinen und Kupfererze in chloridisierten Gesteinen auf.
 
Die wichtigste Goldlagerstätte innerhalb des "Goldenen Vierecks" ist Rosia Montana. Auch außerhalb sind äquivalente Lagerstätten zu finden. So stellen Baia Mare und angrenzende Reviere wichtige Goldproduzenten dar.


Bergbaugeschichte


Bronzezeitliche Goldobjekte kann man aufgrund von Gold/Silberverhältnissen bis ins Siebenbürgische Gebirge zurückverfolgen. Das verwendete Gold beinhaltet ca. 28 Gew.% Silber. Dadurch kann Seifengold als Rohmaterial ausgeschlossen werden, da Nuggets nur geringe Silberanteile enthalten. Das Verhältnis stimmt jedoch mit den durchschnittlich hohen Silbergehalten in den siebenbürgischen Goldlagerstätten überein.
 
300 v.Chr. wurde Gold von den Dakern gewonnen. Sie bedienten sich aber den leicht zugänglichen Seifenlagerstätten, in denen Goldnuggets bis zu 10kg Gewicht geborgen wurden, wie historische Berichte belegen. Die älteste Seifenlagerstätte ist im Tal der Muresch bei Pianu de Sus (früher: Ohlapian) nachgewiesen. Es ist jedoch schwer, vorrömische oder römische Abbaugebiete zu identifizieren, da diese zerstört oder weiterbetrieben wurden, sodass der Zeitpunkt des beginnenden Abbaus "verwischt" wurde. Dennoch vermutet man riesige Abbauspuren am Kamm des Vulcoi Corabia bei Zlatna. Dem Erzvorkommen bewusst, eroberten die Römer 106 n.Chr. Dakien und siedelten auch in guter Lage zu den Lagerstätten an. Den fortgeschrittenen Abbau verdeutlicht der Schatz des Daker-Königs Decebal, welcher ein Gewicht von 165t aufwog, als er den Römern zufiel. Es ist schwer zu sagen, ob der römische Erzabbau neu angelegt wurde oder ob, wie vertutet die bereits existierenden dakischen Stollen weiterbetrieben wurden. Kupfer- und Eisenerze waren weitgehend vom Abbau ausgeschlossen, erst als im 18. Jahrhundert in England der Industrialisierungsprozess indiziert wurde, gewann der Abbau und die Verarbeitung an Bedeutung.


Bedeutung des heutigen Bergbaus


Rumänien ist ein sehr armes Land. Die Inflation hat einen Wert um 40% erreicht, das Wirtschaftswachstum wird für dieses Jahr unter 2% angesetzt. Da Rumänien reich an Bodenschätzen ist, kann dieser Sektor wichtig für die wirtschaftliche Weiterentwicklung des Landes sein. Als 1998 ein westlich-orientiertes Bergbaurecht eingeführt wurde, sagten sowohl die EU als auch die Welthandelsbank Unterstützung zu. Tatsächlich zeigen mehrere ausländische Firmen an den Gold- und Kupfervorkommen Interesse, wie z.B. andauerndes Prospektieren der Gabriel Resources Ltd. als auch Esmeralda Exploration Ltd. beweisen.
 
Für schlechte Presse sorgte aber der rumänische Bergbau, als Natriumcyanid, was zum Auslaugen von Gold und Silber aus ihren Erzen verwendet wird, über Dränagesysteme in die Donau gelangen konnten.
 
Die Bergbauregionen entsprechen in etwa den Eckpunkten des "Goldenen Vierecks":


Beispiele:
 
1. Brad-Sacarimb

Die nach NNW - SSE streichenden Gangsysteme sind an einen vulkanischen Komplex gebunden, der im oberen Miozän intrudierte. Das Gestein lässt sich als pyroxen -, amphibolführenden Quarzandesit beschreiben. Erzkörper befinden sich sowohl in diesem Komplex, wie auch in den angrenzenden Sedimentgesteinen, da durch Metasomatose neue Mineralassoziationen aus Tonmineralen, Karbonaten, Quarz und Pyrit angegliedert wurden. In Freigoldgängen lassen sich drei goldführende Paragenesen unterscheiden:

Abbauwürdig sind auch Gold-Tellurerze. Das häufigste namens Nagyagit (Nagyag = alter ungar. Name von Sacarimb) wurde nach seiner Typuslokalität benannt. Eine weitere Besonderheit des Gebietes stellt der "Glauch" dar, der als tonige, fast schwarze Masse, als Bindemittel fungieren kann. Da der Glauch angeschwemmt wurde, enthält er Gestein wie auch Gangmaterial und neigt deshalb zu einen Goldgehalt von 10 - 20 ppm. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Minerale der Lagerstättenregion Sacarimb:


Name chemische Formel alternative Namen
     
Aladandin MnS Manganblende
Auripigment As2S3 Rauschgelb
Hessit Ag2Te Tellursilbererz
Krennerit (Au,Ag)Te2  
Nagyagit Au(Pb,Sb,Fe)8(Ti,S)11 Blättertellurerz
Petzit Ag3AuTe2  
Realgar AsS Rauschrot
Sylvanit AgAuTe4 Schrifterz
     

 
2. Bucium Tarnita

Das nicht nur Gold in dieser Region abbauwürdig ist, zeigt diese prospektierte porphyry copper Lagerstätte. Zwar ist der Kupfer nicht in Gängen, aber dissiminiert in einem Andesit, dadurch sind die Tonnagen hoch. Der Andesitkörper reicht trapezförmig 1300m in die Tiefe und hat eine E-W-Ausdehnung von 500m, als auch 700m N-S-Ausdehnung. Das Nebengestein stellen kretazische Sedimente und Andesit dar. Auch hier findet man, wenn auch in kleineren Mengen, Gold und Silber.


 
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