MINERALOGISCH - LAGERSTÄTTENKUNDLICHER ÜBERBLICK VON RUMÄNIEN


von Henning Kersten

1. Gliederung


Rumänien lässt sich in 4 verschiedene Einheiten gliedern - die Karpaten, gegliedert in West-, Ost- und Südkarpaten, mit ihren Becken (Pannonisches und Siebenbürgisches Becken), das Vorland, der Banat-Srednagora-Gürtel, der im Süden in das Balkangebirge und im Norden in das Apusenigebirge übergeht, sowie die Dobrudscha.
 

2. Mineralogisch - lagerstättenkundlicher Überblick


2.1. Karpaten und Pannonisches Becken
 

Ab dem Miozän bildeten sich im Bereich der Karpaten ausgedehnte intramontane Becken, wie das Pannonische oder das Siebenbürgische Becken. Infolge der starken Subsidenz (an der Wende Miozän/Pliozän wurden allein bis zu 3500m Sedimente abgelagert) kam es in den Beckenrandbereichen, also am Innenrand des Karpatenbogens und den Apuseniden, zu ausgedehntem neogenem Vulkanismus und damit verbunden zur Genese vieler und wichtiger Lagerstätten. Die starke Ausdünnung der Kruste und daran gekoppelt ein erhöhter Wärmefluss (im Pannonischen Becken liegt der geothermische Gradient bei 50C/km, lokal sogar bei 100 bis 150C/km) legen den Einfluss eines Manteldiapiers nahe. Auch die Existenz einer Subduktionszone im Bereich des Karpatenbogens wird diskutiert. Der kalkalkalische, basaltisch- bis rhyolithische Vulkanismus wird besonders von Andesiten und Daciten geprägt und entstammt wahrscheinlich dem oberen Erdmantel.
 
Mit diesem Vulkanismus sind neben porphyrischen Cu-Lagerstätten die besonders in den Revieren Gurghru-Marghita und Rosia Montana eine Rolle spielen, subvulkanische und vulkanische Au-Ag-Lagerstätten mit Buntmetallen, Buntmetalllagerstätten oder Sb- und Hg-Lagerstätten verknüpft. Sie treten als Imprägnationen in Decken, Aufstiegszonen, größeren magmatischen Gängen und im Nebengestein, sowie als hydrothermale Gangvererzungen oder metasomatische Bildungen im Kontakt der vulkanischen und subvulkanischen Körper auf. Ebenfalls an den Vulkanismus gebunden ist die Entstehung sedimentärer Mineralanreicherungen. Besonders häufig ist jedoch die Bildung hydrothermaler Lagerstätten, in denen sich verschiedene Mineralparagenesen unterscheiden lassen:
 

Andere, teilweise bei Sammlern sehr beliebte, mit diesen Lagerstätten assoziierte Minerale sind Antimonit, Auripigment, Realgar, Tetraedrit, Fluorit, Chalcedon, Opal, Baryt, oder Scheelit. Berühmt für ihre Telluridparagenesen und gediegen Tellur, sind die Lagerstätten von Sacaramb im südlichen Apusenigebirge. Wichtige an neogene Vulkanite und Subvulkanite gebundene Lagerstätten treten am gesamten Innenrand des Karpatenbogens und in den Apuseniden auf. Bekannte Lagerstätten liegen in der NW-Rumänischen Region Maramures in den Revieren Baia Mare, Cavnic und Baia Sprie, oder in der Umgebung von Rosia Montana.
 
Durch Alteration bzw. in situ Verwitterung von Tuffen entstandene Bentonit- und Kaolinitlagerstätten befinden sich z.B. in der Region um Baia Sprie in Valea Chioarului oder südlich von Cluj-Napoca in Ocna Mures.
 
Ein weiterer bedeutsamer Lagerstättentyp sind metamorphe kambrische VHMS-Lagerstätten vom Kuroko-Typ, die in den östlichen Karpaten in der Region um Baia Borsa neben neogenen vulkanischen und subvulkanischen Lagerstätten auftreten. Die Anreicherung von Mineralen wie Pyrit, Chalkopyrit, Galenit, Sphalerit, Gold und Silber erfolgte submarin durch die Zirkulation heißen Meerwassers in vorwiegend rhyolithischen Gesteinen. Sowohl disseminierte als auch massive Vererzungen sind vorhanden. In der Balan-Region sind ebenfalls VHMS-Lagerstätten, allerdings mit höheren Eisen- und Mangangehalten anzutreffen.
 
Gekoppelt mit der variszischen Orogenese, kam es in deren Spätphase auch im Bereich der Karpaten und der Apuseniden zu zahlreichen granitischen oder dioritischen Intrusionen, auf die die Bildung einiger Pegmatite zurückgeht. In Razoare im Apusenigebirge befinden sich neben präkambrischen metamorphen Eisen-Mangan-Lagerstätten solche Pegmatite. Sie enthalten Mikroklin, Albit, Glimmer, Quarz, Turmalin, Apatit, Beryll und Granat, wobei assoziierte Aplitgänge häufig hydrothermal alteriert wurden und so in Bentonit umgewandelt sind. Im Zusammenhang mit diesen Granitintrusionen stehen katathermale Goldquarzgänge und mesothermale Cu- Ni- Co- Pb- Zn- Sb- Gänge. Des weiteren existieren Nephelin- Syenit- Pegmatite mit Albit, Epidot, Hornblende, Titanit, Apatit und Pyrit bei Ditro in den Ostkarpaten, sowie muskovitreiche Pegmatite in den südlichen Karpaten (H. SCHNEIDERHÖHN, 1961).
 
Verbunden mit der Beckenbildung im Tertiär und der Regression des Meeres kam es neben intensivem Vulkanismus zur Ausbildung ausgedehnter Sumpfgebiete mit üppiger Vegetation, aus der zahlreiche Erdöl- und Erdgas- sowie Braunkohlelagerstätten hervorgingen. Die im lagunären Bereich gebildeten Evaporite stellen die Stein- und Kalisalzlagerstätten Rumäniens dar.

 
2.2. Karpatenvorland

Auch im Vorland der Karpaten kam es im Tertiär durch hohe organische Produktion in Senkungsräumen zur Anlage bedeutsamer Erdöl-, Erdgas- und Braukohlevorkommen. Weiterhin werden beispielsweise Steinsalz und Quarzsand abgebaut.

 
2.3. Banat-Srednagora-Gürtel

Der Banat-Srednagora-Gürtel stellt ein eigenständiges kleinräumiges geotektonisches Element dar, das das gleiche Alter wie die Karpatenorogenese besitzt. Der als Banater Südkarpaten bezeichnete rumänische Teil befindet sich im äußersten SW des Landes und geht im S in das Balkangebirge sowie im N in das Apusenigebirge über. Der Vulkanismus, der auch hier die wichtigsten Lagerstätten hervorbrachte, setzte bereits in der oberen Kreide mit Tholeiitbasalten, Andesiten, Daciten, Rhyolithen bis hin zu Alkalibasalten oder Trachyten, ein. Ab dem Senon und im Paläozän folgte ein intensiver Plutonismus mit den entsprechenden Intrusivgesteinen wie Gabbros, Dioriten, Quarzdioriten, Graniten, Monzoniten oder Syeniten (H. SCHRÖCKE, 19??).
 
Charakteristisch für dieses Gebiet sind zahlreiche porphyrische Cu-Lagerstätten, die Erze wie Pyrit, Chalkopyrit, Molybdänit, Magnetit und stellenweise Scheelit, Tetraedrit und Gold in eingesprengter oder stockwerkartiger Form enthalten. Hydrothermale, an subvulkanische Bildungen gebundene Erzvorkommen sind ebenfalls vorhanden. Am Kontakt der Intrusivkörper sind häufig Skarnlagerstätten als Endoskarn, mit der Bildung von Grossular, Andesin oder Ferroaugit und als Exoskarn mit Spinell oder Forsterit entwickelt. Außerdem enthalten diese Skarne Fe-, W-, Bi-, Mo-, Pb-, Zn- und Cu-Erze (H. SCHRÖCKE, 19??).
 
Die Granitpegmatite im Banat gehören dem variszischen Untergrund an. Besonders erwähnenswert sind die Feldspat-Beryll-Pegmatite von Teregova, die in ihrem Quarzkern bis zu 0,5m große grüne Beryllkristalle enthalten (H. SCHNEIDERHÖHN, 1961).
 
Liquidmagmatische Lagerstätten befinden sich in den südlichen Apuseniden und im Banat. Während die apusenischen Vorkommen vorwiegend Eisen beinhalten, treten im Banat am Eisernen Tor Chromitlagerstätten auf. Chromerzführende Gesteine sind Peridotitserpentinite, die in einem Gabbro- Peridotit- Massiv südwestlich von Orsova zu finden sind. Allerdings ist der Abbau seit 1918 stillgelegt.
 
Das in den nordwestlichen Apuseniden gelegene Padurea- Craiului- Gebirge weist eine Vielzahl von Bauxitvorkommen auf.
 

2.4. Dobrudscha

Im Südosten Rumäniens, zwischen Donau und Schwarzem Meer, erheben sich aus der quartären Überdeckung präkambrische, paläozoische und mesozoische Gesteine. Mächtige prävariszische granitische Intrusionen und rhyolithischer Vulkanismus führten zur Bildung vieler hydrothermaler Mineralanreicherungen die besonders Fe- und Cu-Minerale enthalten.
Ebenfalls auf diese Intrusionen ist die Bildung von Pegmatiten zurückzuführen, die als Hauptbestandteile Albit, Orthoklas, Quarz, Epidot, Riebeckit und Aegirin besitzen.

 

3. Lagerstätten/Förderreviere und rohstoffgewinnende Betriebe


Hier nun ein kleiner Überblick über die Lagerstättendestrikte, Förderreviere und rohstoffgewinnenden Betriebe, geordnet nach Rohstoffen. (HÄUßER & KRUSE (2000))


   

Erdöl/Erdgas:

  1. Pannonisches Becken, Ostteil
  2. Pannonisches Becken, Südteil
  3. Transylvanisches Becken
  4. Karpaten-Becken/ Targoviste
  5. Getisches Becken
  6. Moesisches Becken
  7. Gebiet Ploiesti/ Focsani
  8. West-Skynthisches Becken
  9. Karpaten-Becken/ Bacau
  10. Karpaten-Becken/ Moinesti
  11. offshore im Schwarzen Meer (Feld Lebada)

Steinkohle:

  1. Anina
  2. Petrosani-Becken
  3. Svinita

Braunkohle:

  1. Dunare Olt (Revier Oltenia),
  2. Sotinga, Filipesti (Revier Ploiesti),
  3. Codlea, Baraolt (Revier Brasov),
  4. Comanesti (Revier Bacau),
  5. Dema, Sarmasag (Revier Crisana),
  6. Almas Valley (Revier Cluj)

Uran:

  1. Crucea/Feldiora

Eisenerz:

  1. Bocsa
  2. Anina
  3. Salaj
  4. Tebea
  5. Ghelari
  6. Teliucu
  7. Lueta

Mangan:

  1. Iacobeni, Rev. Vatra Dornei

Kupfer-Blei-Zink:

  1. Baia Mare
  2. Baia Sprie
  3. Cavnic
  4. Balan
  5. Altin Tepe
  6. Rosia Montana,
  7. Borsa
  8. Lesul-Ursului
  9. Rosia Poeni
  10. Moldova Noua

Gold, Silber:

  1. Rosia Montana (Projekt)
  2. Baia Mare

Bauxit:

  1. Bihor, Dobresti
  2. Padurea Craiului

Bentonit:

  1. Gurasada
  2. Valea Chioarului
  3. Ocna Mures

Feldspat:

  1. Muntele Rese
  2. Voineasa
  3. Armenis

Baryt:

  1. Ostra

Gips & Anhydrit:

  1. Cluj-Napoca
  2. Transsylvanien

Diatomit:

  1. Adamclisi
  2. Filia

Glimmer:

  1. Voineasa
  2. Voislova

Flußspat:

  1. Apuseni-Gebirge

Graphit:

  1. Baia de Fier

Kaolin:

  1. Aghiresu
  2. Medgidia
  3. Harghita

Schwefel:

  1. Calimani
  2. Bistrita
  3. Moldova Nouoa/Pyrit
  4. Baia Mare/Pyrit

Quarzit:

  1. Dealul Cerna

Quarzsand:

  1. Aghiresu
  2. Valeni de Munte
  3. Miorcani
  4. Caraorman

Steinsalz:

  1. Cacica
  2. Ocna (Sohlung)
  3. Ocna Mures (Sohlung)
  4. Praid,
  5. Ocnele Mari (Sohlung)
  6. Ocna Dej
  7. Slanic

Talk:

  1. Lelese
  2. Cerisor
   

 
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