Die Erzlagerstätte von Cavnic sind sehr bedeutend für den Bergbau der
Region um Baja Mare. Cavnic (ung. Kapnikbanya oder deutsch Kapnik, auch
Oberstadt) ist etwa 30km nordöstlich von Baja Mare, an der südlichen
Flanke des Gutai-Gebirges, im südöstlichen Teil der Boti-Ebene gelegen.
Von Baia Sprie kommend, erreicht man das höhergelegene alte
Cavnik, wenn man zunächst Also-Kapnik mit den Hüttenbetrieben durchquert.
Ein steinerner Obelisk zwischen beiden Ortsteilen erinnert an eine 1717
erhaltene Niederlage flüchtender Tartaren. Der Erzbergbau der Region ist
aber wesentlich älter. Bereits im Jahre 1336 fand dokumentarisch bestätigt
der Bergbau eine Erwähnung. Einige der Gruben wurden bereits im 15. Jh.
angelegt. Der Abbau kam lediglich aufgrund Wasserhaltungsproblemen
zwischen den Jahren 1743 und 1748 zum Erliegen. Einst gewann man
hauptsächlich Blei und Silber (auch Gold und Kupfer). Heute liegt der
Abbauschwerpunkt für die etwa 2000!
Bergleute bei Blei und Zink.
Die Bergbauhauptstollen heißen Boldut, Roata, Gottlieb und Varvara, von
denen die drei erstgenannten heute noch betrieben werden. Die Grubengebäude
sind über den sogenannten Erbstollen Ferdinand miteinander verbunden.
Der Erztransport erfolgt über einen 11km langen Tunnel mit dem Grubenzug
nach Baia Sprie. Dort wird das Erz verhüttet. Auf kleinen Halden in der
Nähe von Brecheranlagen unweit nordöstlich von Baia Sprie kann man daher
Minerale von Cavnic (Rhodochrosit, Bleiglanz, Zinkblende usw.) finden.
Der Gesamterzgehalt der Lagerstätte wird etwa auf 5,87 Mio.t Blei und
Zink geschätzt.
Neben den normalen Gangvererzungen wird der Bergbau auf Gold wenige
Kilometer nördlich von Untercavnik in der Grube Suior betrieben. Die
bereits im 19. Jahrhundert betrieben aber dann wieder stillgelegte Grube
wurde im Jahr 1962 wieder aufgefahren. Die Genese der Goldvererzung
entspricht der des Cavnic-Feldes. Die Erzgehalte für Gold liegen zwischen
3 und 15g/t. Die Vorräte werden dort auf etwa 37 Tonnen Au veranschlagt.
Es handelt sich um eine Gangartige Lagerstätte, deren Erzgänge
an Pyroxenandesite gebunden sind.
Die Pyroxenandesite sind Bestandteil einer jungtertiären Vulkankette (Neogen).
Diese hat eine Ausdehnung von etwa 800km und ist gekoppelt an die
Hauptphase der Faltung des Albino-Karpaten-Orogens. Die Andesite
durchbrachen bei ihrer Platznahme sarmatische und pannonische Sedimente
und breiteten sich entlang NE-SW-verlaufender Bruchstrukturen
lakkolithartig aus. Somit streichen auch die über 90 Gänge parallel
zueinander in eben dieser Richtung. Nicht alle dieser Gänge sind
natürlich Erzführend. Etwa 13 der durch tektonische Beanspruchung
linsenförmig ausgebildeten und bis zu 8m mächtigen Gänge rechtfertigen
einen wirtschaftlich sinnvollen Abbau. Die wechselnden Mächtigkeiten
erschweren den Bergbau. Die wichtigsten Gänge sind: Cristofor, Gutin,
Kelemen, Iosil, Gheorghe, Sfinti, Teriza, Ungar, Voevod, Elisabeta,
Urban, Michai und Paraschiva. Diese Gänge liegen jeweils nur wenige
hundert Meter voneinander entfernt in Längen von bis zu über einem
Kilometer vor und sind bis in Tiefen von bis zu 450m verfolgt.
Die Hauptrichtung der parallelen Gangsysteme ist NNE-SSW; untergeordnet
treten ENE-WSW-Systeme im westlichen Komplex auf. Die Gangfüllungen
können brecciiert oder gebändert sein. Sind sie gebändert, dann bestehen
sie aus Wechsellagerungen von monomineralischen Erzlagen (Sulfide) und
symmetrischen Gangarten. In manchen Gängen kann die Genese des Komplexes
in mehrere Stufen (Generationen) eingeteilt werden. Die erste Phase ist
gekennzeichnet durch einen hohen Eisenanteil im westlichen Teil der
Lagerstätte. Typische Minerale sind Magnetit Hämatit, Galenit,
Chalkopyrit und Sphalerit. Die zweite Generation findet vor allem im
östlichen Bereich ihre Ausprägung durch eine zum Teil intensive
Brecciierung und Verkittung der entstandenen Bruchstücke mit Quarz,
Galenit und Sphalerit. In der dritten Phase erfolgte die Ablagerung von
Rhodochrosit nach erneuter Brecciierung in Mächtigkeiten bis hin zu 2m.
In der vierten Phase wurde dann Gold in Verbindung mit Quarz eingebracht.
Da die geringe Goldführung nur in den oberen Abschnitten der Gänge
auftrat, ist sie bereits abgebaut.
Aus dem Raum Cavnic sind etwa 70 Mineralarten bekannt
geworden. Die dabei wesentlichsten Erzminerale sind Bleiglanz, Bournonit,
Kupferkies, Pyrit, Tetraedrit und Zinkblende (weitere: Argentit, Proustit,
Pyrargyrit. Für Sammler besonders gesuchte und bekannte Mineralien sind
ausgezeichnete Bergkristalle und Amethyste, Rhodochrositrasen mit Quarz,
große farblose Gipskristalle, säulige Realgare und nicht zuletzt
Erzstufen mit Tetraedrit, Zinkblende, Bleiglanz und Kupferkies.
Elemente, Sulphide, Halogenide, Oxide und Hydroxide, Carbonate, Sulfate,
Phosphate, Arsenate und Silikate sind die Gruppen, die den Hauptanteil
der wichtigsten Mineralien umfassen. Einige ursprünglich als Kapnicit
beschriebene Einzelfunde stellten sich später als Wavellit heraus. Ein
Einzelfund einer organischen Verbindung ist seit 1926 aus dem sogenannten
Franz-Gang bekannt. Dieser Whewellit ist im Nemzeti Muzeum in Budapest
zu bestaunen. Eine sehr umfangreiche Sammlung von Mineralstufen bietet
das mineralogische Museum in Baia-Mare.
| Mineralgruppe | Mineralname | chemische Formel |
|---|---|---|
| Sulfide | ||
| Alabandin | MnS | |
| Andorit | AgPbSb3S6 | |
| Antimonit | Sb2S3 | |
| Argentit | Ag2S | |
| Arsenkies | FeAsS | |
| Auripigment | As2S3 | |
| Berthierit | FeSb2S4 | |
| Bleiglanz (Galenit) | PbS | |
| Bournonit | CuPbSbS3 | |
| Chalkopyrit (Kupferkies) | CuFeS2 | |
| Chalkosin | CuS2 | |
| Chalkostibit | CuSbS2 | |
| Covelin (Kupferindig) | CuS | |
| Jamesonit | Pb4FeSb6S14 | |
| Kermesit | Sb2S2O | |
| Markasit | FeS2 | |
| Polybasit | (Ag,Cu)16Sb2S11 | |
| Pyrargyrit | Ag3SbS3 | |
| Pyrit | FeS2 | |
| Realgar | As4S4 | |
| Samseyit | Pb9Sb8S21 | |
| Stephanit | Ag5SbS4 | |
| Tetraedrit | Cu12Sb4S13 | |
| Zinkblende (Sphalerit) | ZnS | |
| Zinnober (Cinnabarit) | HgS | |
| Oxide & Hydroxide | ||
| Amethyst | SiO2 | |
| Chalcedon | SiO2 | |
| Goethit | FeOOH | |
| Hämatit | Fe2O3 | |
| Magnetit | Fe2+Fe3+2O3 | |
| Quarz | SiO2 | |
| Carbonate | ||
| Ankerit | CaFe(CO3)2 | |
| Aragonit | CaCO3 | |
| Azurit | Cu3[OH/CO3]2 | |
| Calcit | CaCO3 | |
| Cerussit | PbCO3 | |
| Dolomit | CaMg[CO3]2 | |
| Kutnahorit | CaMn[CO3]2 | |
| Malachit | Cu2[(OH)2/CO3] | |
| Rhodochrosit | MnCO3 | |
| Smithsonit | ZnCO3 | |
| Siderit | FeCO3 | |
| Sulfate & Wolframate | ||
| Anglesit | PbSO4 | |
| Baryt (Schwerspat) | BaSO4 | |
| Gips | CaSO4x2H2O | |
| Hübnerit | MnWO4 | |
| Melanterit | FeSO4x7H2O | |
| Scheelit | CaWO4 | |
| Wolframit | (Fe,Mn)WO4 | |
| Phosphate & Arsenate | ||
| Diadochit | Fe2[OH/SO4/PO4]x5H2O | |
| Erythrin | Co3[AsO4]2x2H2O | |
| Pyromorphit | Pb5[Cl/(PO4)3] | |
| Symplesit | Fe3[AsO4]2x8H2O | |
| Vivianit | Fe3[PO4]2x8H2O | |
| Wavellit | Al3[(OH)3/(PO4)2]x5H2O | |
| Silikate | ||
| Adular | K[AlSi3O8] | |
| Halloysit | Al4[(OH)8/Si4O10]x4H2O | |
| Helvin | Mn8[S2(BeSiO4)6] | |
| Kaolinit | Al4[(OH)8Si4O10] | |
| Laumonit | Ca[AlSi2O6]2x4H2O | |
| Natrolith | Na2[Al2Si3O10]x2H2O | |
| Rhodonit | CaMn4[Si5O15] | |
Ankerit ist als Begleitmineral oft zu beobachten. Besondere Calcite sind grüne, tonnenförmige Kristalle, die aber nach einigen Jahren ihre Farbe verloren; weiters Mn-haltige rosa nadelig- aggregierte Calcite (Wavellit) auf Quarz, Pyrit oder Zinkblende. Dolomite sind sehr häufig bis hin zu 4 cm Größe. Auffallend sind die besonders schönen Rhodochrosite mit Lagen von Bleiglanz und Zinkblende.
Relativ häufig in Cavnic sind Alabandin, Bleiglanz, Chalcopyrit, Tetraedrit und Zinkblende. Arsenkies bildet eher selten Aggregate bis zu 1 cm. Zuweilen finden sich schöne traubige Überzüge von Auripigment auf Baryt oder Quarz. Cavnic liefert weiterhin ausgezeichnete Sammelstücke von Realgar, tafelig oder nadelig auf Pyrit oder Quarz. Tetraedrit kommt gelegentlich in bis zu 4 cm großen stahlblau angelaufenen Kristallen vor, teilweise in Verwachsungen mit gelb-hellbrauner ausgezeichneter Honigblende.
Die Baryte gibt es als bis zu 8 cm große schöne Kristalle. Hellblaue Stufen gelten als Besonderheit, allerdings gibt es viele graublaue Stufen, deren Farben durch künstliche Bestrahlung erzeugt wurden. Riesige Gipskristalle mit Kantenlängen von bis zu 60 cm kann man im Museum in Baia Mare bestaunen.
Halloysit kommt als Gangart in der Grube Tereza vor. Kleine gelbe Kristalle von Helvin sind eine Besonderheit von Cavnic. Sie kommen in Hohlräumen von Rhodochrosit vor. Zusammen mit den wichtigen Erzmineralen kommt der ursprünglich als Kapnikit bezeichnete Rhodonit vor.
Quarz ist in Cavnic sehr häufig. Die Kristalle sind zumeist sehr klar und kommen in Größen von bis zu 40 cm Länge vor. Amethyste gibt es in sehr attraktiven Stufen. Chalcedon bildet hellblaue Rinden um Quarz. Weitere Mineralien: Arsenolith, Hübnerit (als feine Kristallbüschel auf Rhodochrosit bekannt).
Vom Wavellit gibt es seltene alte Funde. Die Kristalle bilden radialstrahlige, kugelige Aggregate aus nadeligen, weißen bis braunen maximal 1 cm großen Exemplaren. Sie sind leicht mit büscheligen Calciten zu verwechseln und werden häufig auch als Kapnicit bezeichnet.