Baia Sprie befindet sich im Nordwesten Rumäniens, etwa neun Kilometer
östlich der Stadt Baia Mare. Die Stadt Baia Sprie ist häufig unter ihrem
ungarischen Namen Felsöbanya zu finden. Der deutsche Name lautet Mittelstadt.
Erste bergbauliche Aktivitäten in der Region sind bereits aus der Bronzezeit
bekannt. Die wichtigsten Abbauprodukte waren Gold und Silber. Die Lagerstätte
Baia Sprie wird erstmalig 1141, mit der Einwanderung der Sachsen, urkundlich
erwähnt. Erste wissenschaftliche Veröffentlichungen über die Erzvorkommen
der Lagerstätte gab es 1774.
Die überwiegenden Gesteine der Region um Baia Sprie sind tertiäre Sedimente.
Dazwischen sind auch Pyroklastika und erstarrte Lavahorizonte zu finden.
Die Abfolge gehört zum Baia-Mare-Becken, das sich nördlich der Gutui Berge
erstreckt. Im Miozän und im Pliozän kam es zu Bruchtektonik, mit einem
Ost - West orientiertes Störungssystem. Dies führte zur Intrusion von
Vulkaniten in die Sedimentabfolge. Der Chemismus der Vulkanite war andesitisch
und dacitisch. Das Alter der Mineralisation wurde auf 9,3-7,65 Millionen
Jahre festgelegt.
Die eigentliche Lagerstätte befindet sich im 729 Meter
hohen Berg Dealul Minei, genauer an der nördlichen und südlichen Kontaktzone
des Intrusionskörpers. Es handelt sich um eine Gangvererzung. Dabei sind
die wichtigsten Gänge der "Hauptgang" (Filonul Principal) und der "Neue" Gang
(Filonul Nou). Der "Hauptgang" hat eine Länge von etwa 2200 Metern und eine
Breite von einem bis sechs Metern, erreicht jedoch in einigen Zonen bis zwanzig
Meter Breite. Mit zunehmender Tiefe nimmt dabei die Mächtigkeit zu. Die
erfasste Tiefe liegt bei 1000 Metern. Der Gang streicht etwa Ost-West
und fällt mit 75-90° nach Norden ein. Außerdem ist er in mehrere Gänge
verzweigt, die im Hangendem und im Liegendem zu finden sind. Der "Neue Gang"
befindet sich an der südlichen Kontaktzone des Andesits mit den Sedimentgesteinen.
Neben der gangförmigen, findet man hier auch eine stockwerkförmige Vererzung.
Die Struktur des Erzes ist meist massiv, es treten auch gebänderte und
brekziöse Erze auf. Im "Neuen Gang" gibt es eine deutliche vertikale Zonierung
der Mineralisation. Dabei kann man drei unterschiedliche Mineralisationstypen
unterscheiden. Der erste Mineralisationstyp ist die Gold-Silber-Formation.
Sie verläuft von der Oberfläche bis zum siebenten Abbauhorizont und ist
heute völlig erschöpft. Darunter folgt die polymetallische Blei-Zink-Kupfer-Formation.
Sie befindet sich zwischen siebenten und elften Horizont und ist heute zum Teil ausgebeutet. Die Letzte ist eine vorwiegend kupferreiche Formation, in der Blei und Zink untergeordnet vorkommen. Der Bereich steht zur Zeit im Abbau und liegt unter dem elften Horizont.
Durch geothermische Messungen an den hydrothermalen Quarzen könnten
Rückschlüsse auf die Homogenisierungstemperatur gezogen werden. Die
Temperatur lag zwischen 305°C und 180°C, dadurch lässt sich auf mesothermale
bis epithermale Bedingungen schließen.
Aus der Lagerstätte Baia Sprie sind über neunzig verschiedene Mineralarten
bekannt. Für die sechs Minerale,
stellt Baia Sprie die Typuslokalität dar. Man unterscheidet die Mineralgesellschaften
von polymetallischen Erzgängen und Kupfer-Pyrit-Erzgängen.
Zu den wichtigsten Elementen der Lagerstätte gehören Gold, Silber, Arsen
und Schwefel. Gold und Silber kommen meist als Locken oder Bleche vor.
Schwefel bildet mehlige Krusten und kommt im Verbund mit Pyrit und Realgar
oder Auripigment vor.
Ein sehr bekanntes Mineral der Lagerstätte ist Antimonit. Baia Sprie stellt
einen der populärsten Antimonitfundorte weltweit. Die Kristalle sind radialstralig
ausgebildet und können eine Länge von fünfzehn Zentimetern erreichen. Sie
treten zusammen mit Quarz, Baryt und Realgar auf. Der Andorit, dessen
Typuslokalität Baia Sprie ist, kristallisiert in bis zu fünfzehn Zentimeter
langen Kristallen und kommt mit Quarz und Zinkblende in Drusen vor.
Weitere Sulfide der Lagerstätte sind Bleiglanz, der als Würfel oder Oktaeder
kristallisiert und silberhaltig sein kann, Arsenkies, Pyrit, Markasit, Zinkblende,
Wurzit und Zinnober. Ein weiteres Typusmineral ist der Semseyit. Er ist sehr selten
und bildet graue, tafelige Kristalle und feinkörnige Aggregate. Für Aufsehen
sorgte auch die Entdeckung einer Realgarfundstelle. Die Größe der Kristalle
beträgt ein bis zwei Zentimeter. Die Stufen bestehen aus grauem Quarz oder
gediegen Arsen, mit einzeln aufwachsenden Realgalkristallen. Die Farbe ist
oft transparent mit einer feurig glänzenden Oberfläche.
Das am häufigsten gefundene Mineral ist der Quarz. Er kommt mit einer Vielzahl
anderer Minerale vor. Als Bergkristall ist er meist schlank ausgebildet
und seine Durchschnittsgröße liegt zwischen fünf und fünfzehn Zentimetern.
Häufig beobachtet werden spindelförmige Kristalle, Zepterbildung und
Flüssigkeitseinschlüsse. Die größten Funde von Quarzkristallen haben Maße
von über dreißig Zentimetern. Außerdem kommen auch die Oxide Hämatit,
Magnetit und Wolframit vor. Wolframit bildet hochglänzende, pechschwarze,
plattige Kristalle, die zum Teil Telefonkartengröße erreichten. Als
Karbonate treten Calcit und Siderit auf.
Die Baryte, welche in Baia Sprie zu finden sind, erreichen eine Größe von
bis zu fünfzehn Zentimetern und treten sowohl dünntafelig, als auch
dicktafelig auf. Zu den verschiedenen Ausbildungsfarben gehören weiß,
gelb, rötlich, grau, schwarz und farblos.Unter den Sulfaten gibt es die
Typusminerale Dietrichit, Felsöbanyait, Klebelsbergit, und Szmikit. Der
Felsöbanyait bildet kleine Kugeln von bis zu fünf Millimetern. Diese
sitzen allein oder zu mehreren auf Quarz, Baryt oder Antimonitnadeln.
| Mineralname | Mineralname | chemische Formel |
|---|---|---|
| Elemente | ||
| Arsen | As | |
| Schwefel | S | |
| Gold | Au | |
| Silber | Ag | |
| Sulfide | ||
| Andorit | AgPbSb3S6 | |
| Antimonit | Sb2S3 | |
| Arsenkies | FeAsS | |
| Auripigment | As2S3 | |
| Berthierit | FeSb2S4 | |
| Galenit (Bleiglanz) | PbS | |
| Bournonit | CuPbSbS3 | |
| Chalkopyrit (Kupferkies) | CuFeS2 | |
| Diaphorit | Ag3Pb2Sb3S8 | |
| Fizelyit | Pb4FeSb6S14 | |
| Freieslebenit | PbAgSbS3 | |
| Jamesonit | Pb4FeSb6S14 | |
| Kermesit | Sb2S2O | |
| Markasit | FeS2 | |
| Metacinnabarit | HgS | |
| Miargyrit | AgSbS2 | |
| Polybasit | [(Ag, Cu)16Sb2S11] | |
| Proustit | Ag3AsS3 | |
| Pyrargyrit | Ag3SbS3 | |
| Pyrit | FeS2 | |
| Pyrostilpnit | Ag3SbS3 | |
| Realgar | As4S4 | |
| Samsonit | Ag4MnSb2S6 | |
| Samseyit | Pb9Sb8S21 | |
| Tetraedrit | Cu12Sb4S13 | |
| Wurzit | ZnS | |
| Zinkblende (Sphalerit) | ZnS | |
| Zinnober (Cinnabarit) | HgS | |
| Oxide & Hydroxide | ||
| Hämatit | Fe2O3 | |
| Magnetit | Fe2+Fe3+2O3 | |
| Pyrolusit | MnO2 | |
| Quarz | SiO2 | |
| Stibiconit | [SbSb2O6(OH)] | |
| Valentinit | Sb2O3 | |
| Carbonate | ||
| Calcit | CaCO3 | |
| Siderit | FeCO3 | |
| Sulfate & Wolframate | ||
| Baryt (Schwerspat) | BaSO4 | |
| Felsöbanyait | Al4(SO4)(OH)10x22H2O | |
| Dietrichit | [(Zn,Fe,Mn)Al2(SO4)4x22H2O] | |
| Klebelsbergit | [Sb4O4(OH)2SO4] | |
| Melanterit | FeSO4x7H2O | |
| Scheelit | CaWO4 | |
| Szmikit | MnSO4xH2O | |
| Voltait | K2Fe5Fe4(SO4)12x18H2O | Phosphate & Arsenate |
| Gorceixit | [BaAl3(PO4)(PO3OH)(OH)6] | |
| Kolbeckit | ScPO4x2H2O | |
| Pitticit | [Fe2(AsO4)(SO4)(OH)xnH2O] | |
| Silikate | ||
| Laumonit | Ca[AlSi2O6]2x4H2O | |